Montag, 13. August 2018

BYE BYE SOMMER!

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 IHR LIEBEN,

SEIT MEINEM LETZTEN BLOGEINTRAG SIND EIN PAAR WOCHEN VERGANGEN. MEIN SOMMER NEIGT SICH NUN DEM ENDE ZU UND ES WIRD ZEIT FÜR MICH DIE SKISCHUHE WIEDER RAUSZUHOLEN BZW. MIR NEUE ANPASSEN ZU LASSEN. JUHUUU- ENDLICH, ICH FREUE MICH DARAUF, DASS ES WIEDER LOSGEHT UND ICH MEINE HART ERARBEITE KRAFT UND KONDITION NUN AUF DEN SCHNEE BRINGEN KANN. EIN PAAR SCHWEIßTREIBENDE MONATE GANZ NACH DEM MOTTO: TRAIN, EAT, SLEEP, REPEAT LIEGEN HINTER MIR.

 

Ein kurzer Rückblick: Im April habe ich mir den Marknagel aus dem Schienbein entfernen lassen. Als ich nach der überstandenen Operation in meinem Zimmer aus der Narkose wach wurde und dieses Ding auf meinem Nachtkästchen gelegen ist, habe ich mir nur gedacht: „Unmöglich, dass dieser Nagel in meinem Schienbein überhaupt Platz gehabt hat.“ Als ich das nächste Mal wach wurde, spürte ich die Schmerzen und mir kam in den Sinn, was ich wohl für eine Idiotin bin, denn gerade noch war alles in Ordnung gewesen, bis ich mich freiwillig wieder auf den OP Tisch gelegt habe. Diese UPs und DOWNs unter Medikamenteneinfluss sind nicht ohne, aber auch nichts Neues und so habe ich beschlossen meinem Gefühl, dass es richtig war den Nagel zu entfernen, einfach zu vertrauen.

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Die ersten 3 Wochen nach dem Eingriff waren begleiten von viel Physiotherapie, leichter Bewegung und ein bisschen Urlaub. Ein Knochen erholt sich sehr schnell von einer Marknagelentfernung, aber um den Nagel rauszubekommen, muss erst die Patella Sehne gespalten werden, das war nun also meine neue "Baustelle". Mein Training habe ich behutsam gesteigert und nach ein paar Wochen waren mein Team und ich richtig erleichtert. Die Sehne machte keinerlei Probleme und wir konnten endlich damit beginnen die Trainingsintensität zu erhöhen.

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Es gab schon Sommervorbereitungen, da ist es mir schwer gefallen jeden Tag aufs Neue das Maximum aus jeder Trainingseinheit rauszuholen. Ganz anders war es heuer. Ich habe es richtig genossen jede Wiederholung, jeden Sprint und jede Einheit voll durchzuziehen. Aus dem einfachen Grund, weil ich mich richtig befreit gefühlt habe und nicht mehr bei jedem Laufschritt daran erinnert worden bin, dass da noch ein 30 cm langer Nagel mein Schienbein stützt. Die Gesundheit schätzen und mit jeder Trainingseinheit das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des eigenen Körpers zurück zu gewinnen, das war schon eine sehr motivierende Vorbereitung in diesem Sommer.

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Stand heute fühle ich mich fit, frisch und hungrig auf alles was kommt. Und das sind jetzt endlich

die ersten Trainingstage auf Schnee.

 

Alles Liebe,

Eure Eva

Montag, 19. März 2018

NEUES SPIEL, NEUES GLÜCK

ICH SAG´S EUCH, LEUTE: ICH BIN RICHTIG ERLEICHTERT, DASS DIESE SAISON 2017/2018 JETZT ZU ENDE IST. EIN INTENSIVES JAHR VOLLER FORTSCHRITTE UND RÜCKSCHLÄGE, EIN AUF UND AB, VIEL INVESTIERTE ZEIT, JEDE STUNDE EINE WICHTIGE ETAPPE AUF DEM WEG – ZURÜCK ZU VOLLKOMMENER FITNESS, HIN ZUM OPTIMALEN, NEUEN MATERIAL-SETUP, NÄHER ZU MIR SELBST. DIESER WINTER WAR AUCH EIN WICHTIGES INVESTMENT IN MICH SELBST ALS ATLETHIN – IN MEIN MINDSET, IN MEINEN KÖRPER, IN MEINE TECHNIK. JEDES RENNEN, JEDE TRAININGSEINHEIT IN DIESEM JAHR WAREN ENTWICKLUNG – ICH BIN FROH, DIE HERAUSFORDERUNG ANGENOMMEN ZU HABEN. UND FREUE MICH, NUN WIEDER IM GEWOHNTEN RHYTHMUS IN DIE SAISONVORBEREITUNG ZU STARTEN. RÜCKBLICK UND AUSBLICK.

Ergebnis nach diesem Winter mit Verletzungs-Comeback und Materialwechsel: 32ste im RTL-Weltcup. Natürlich ist das nicht das Ranking, das ich als Athletin anstrebe, nachdem ich vor zwei Jahren ja die kleine Kristallkugel gewonnen hatte. Und dennoch erfüllt mich das Resultat ein Stück weit mit Stolz. Paradox? Nein, der Schlüssel liegt im Detail und in der Analyse. 470 Tage sind seit meiner Verletzung am 04.11.2016 vergangen. Exakt die Zeitspanne, die ich zu Verfügung hatte, um in meiner Comeback-Saison wieder zurück an die Weltspitze zu kommen. Klar war, dass dies nicht einfach werden würde. Es wäre ein kleines Wunder gewesen, wenn ich heute schon wieder auf dem Level wäre, auf dem ich mich verletzt hatte. Meine Situation entspricht dem Machbaren: Ich stehe dort, wo ich stehen soll. Nicht mehr und auch nicht weniger. So ein Comeback nach so einer schweren Verletzung ist ein Prozess. Ich habe von Anfang an gesagt, ich gebe mir Zeit und ich bin stolz auf die Fortschritte, die ich in dieser Zeit gemacht habe. Ich kenne meine Ausgangslage für die nächste Saison und weiß, wo ich ansetze. Fazit: Viel erreicht und noch viel mehr vor, viele Stellschrauben, an denen ich drehen kann und werde.

Doch ehe ich zu den Stellschrauben komme, noch kurz zum Nagel. Welcher Nagel? Jener 30 Zentimeter lange Marknagel, der meinen Unterschenkel seit meiner Verletzung zusammenhält. Dieser Nagel war für meine Heilung unerlässlich und hat die Extrembelastung Skifahren überhaupt erst möglich gemacht. Denn der Knochen braucht viel Zeit, um sich neu zu bilden und zu stärken. Wer die Erfahrung schon gemacht hat, weiß: Skifahren mit Nagel im Bein ist einfach nicht dasselbe, wie ohne. Natürlich spürt´s. Und natürlich tut es auch mental etwas mit einem.

Während also die anderen Mädls beim Weltcup-Finale in Are um die letzten Punkte fahren, habe ich mich bereits wieder mit Christian Hoser, dem Doc meines Vertrauens, in Innsbruck getroffen. Best News – mein Nagel kommt raus! Juchu! Das ist absolut nicht selbstverständlich, oft bleibt einem das gute Stück über Jahre, manchmal auf Lebenszeit. Für mich bedeutet das: Ich kann vielleicht bald wieder so Skifahren wie früher. Da geht es jetzt nicht um Performance, sondern um reines Gefühl. Schmerzbefreit Skifahren, mit der Stabilität und dem Feingefühl meiner eigenen Körperkraft. Für mich das größte Geschenk der Comebackphase. Wann es soweit ist? Sobald ich die Saison komplett abgeschlossen habe. Ich habe schon Terminvorschläge für die kommenden Wochen und einer davon wird’s.

 

Nächste Woche absolviere ich mit den Jungs von Fischer noch ein umfangreiches Skitesting auf der Reiteralm. Wir haben ein paar offene Varianten und Ideen, die uns im Kopf herumschwirren, die wir gerne in die kommende Saison mitnehmen würden. Ein Materialwechsel ist immer eine große Herausforderung. Sowohl für den Athleten, als auch für die Ski-Firma. Der Fahrer muss sich auf den Ski, und der Ski sich auf den Fahrer einstellen. Echt ein spannender Synch, für den ich mir keinen besseren Partner als die Fischer Race Family vorstellen kann. Status: Wir sind auf einem guten Weg, haben eine super Base gefunden, jetzt geht´s um Feintuning und den Ausbau der Möglichkeiten. Uns wird auf jeden Fall nicht langweilig, es gibt genug zu tun.

Ich persönlich freue mich jetzt erstmal auf den Sommer und die bevorstehende Vorbereitung. Ich bin nun wieder im Normal-Rhythmus und das macht mich unfassbar happy. Die Verletzung hat mir Zeit gegeben, Prioritäten neu zu setzen, den Fokus auf das Wesentliche neu zu fixieren. Das Wesentliche ist im Moment: Ich habe eine riesige Freude am Skifahren und weiß, dass die wichtigste Etappe zurück an die Weltspitze absolviert ist. Jetzt wird der innere Reset-Button gedrückt, beim Weltcup-Opening in Sölden beginnt dann wieder eine neue Zeitrechnung.

 

An dieser Stelle vielen Dank für euren tollen Support, ihr habt mich in dieser schwierigen Zeit wahnsinnig bestärkt und mir Mut gegeben. Unsere Zeit zum Feiern kommt noch früh genug, da müssen wir jetzt gemeinsam ein wenig Geduld haben. Ich halte Euch auf dem Laufenden!!

 

Stay tuned,

Eure Eva.

Dienstag, 30. Jänner 2018

G´SUNDWERDEN & WEITERMACHEN! ;-)

IN EIN BIS ZWEI TAGEN, SCHÄTZE ICH, WIRD MEINE STIMME WIEDER EIN COMEBACK GEBEN. SCHREIBEN GEHT SCHON WIEDER. NACH ZWEI KNOCKOUT-TAGEN IM BETT IST DIE GRÖBSTE GRIPPE ÜBERWUNDEN, DIE ICH MIR AM KRONPLATZ EINGFANGEN

UND MIT DER ICH IN LENZERHEIDE EHER RUNTERGEWACKELT ALS GECARVT BIN. ICH WÜRDE ES WIEDER SO MACHEN:

MIT DEM GEFÜHL, ALLES FÜR (M)EINE OLYMPIA-TEILNAHME GETAN ZU HABEN, LÄSST SIE SICH LEICHTER ABHAKEN.

SO WIRKLICH REALISTISCH WAR DER OLYMPIA-WUNSCH IN DIESEM COMEBACK- UND UMSTIEG-WINTER NIE.

FÜR MICH FÄNGT, AUCH WENN DAS SELTSAM KLINGT, DIE SAISON JETZT NOCHMAL NEU AN. G´SUNDWERDEN

UND WEITERMACHEN – DABEISEIN IST NICHT ALLES.

Als ich mit Schüttelfrost aus Lenzerheide heimgekommen bin und klar war, dass das mit mir und Olympia schon wieder nicht hinhaut, hätte mich meine Oma enttäuschter erwartet. „Weißt Eva“, hat sie gesagt, „wenn der Teufel Junge kriegt, dann gleich viele.“ Für große Emotionen hat mir nach dem Lenzerheide-Jammer ehrlicherweise die Energie gefehlt. Wer von euch je mit Grippe arbeiten gegangen ist, weiß, wie das ist, wenn man einfach nur ins Bett will. Ist also mein Olympia-Traum am Fieber zerschmolzen!? Nein, natürlich nicht!

Zeit also, dem, was ihr ohnehin live im Fernsehen oder über die Medien mitverfolgt habt, meine persönliche Perspektive hinzuzufügen. Klar wäre ich wahnsinnig gern in Pyeongchang dabei gewesen – es war wichtig, dass ich wirklich bis zuletzt um diese Chance gekämpft habe, anstatt weiter mit den Möglichkeiten, die der Verletztenstatus bietet, zu taktieren. Und klar hätte es sich auch ausgehen können, im Riesentorlauf am Kronplatz, das hat ja in einzelnen Passagen schon wieder sehr passabel nach mir ausgesehen, trotzdem ist sich nur Platz 20 ausgegangen – und da war ich enttäuschter, als in Lenzerheide.

Die Wahrheit ist: Bis auf wenige Ausnahmen brauchen die meisten Athleten nach einem Materialwechsel eine Saison, bis sie sich auf das Material und das Material auf sich adaptiert haben. Wenn der Umstieg dann noch mit einer Comeback-Saison nach einem Schien- und Wadenbeinbruch, auch nicht nix, zusammenfällt, geht die Zeitrechnung, bis man wieder auf seinem Leistungsniveau ist, nochmal anders – nämlich viiiiiel langsamer. Ausnahmen mögen die Regel bestätigen, ich bin keine, ich bin gut im Plan, physisch schon wieder topp und beim Skifahren brauche ich einfach noch ein bisschen Zeit, um wieder bei allen Verhältnissen wirklich ans Limit gehen zu können. Das ist die Realität und vor diesem Hintergrund ist auch verständlich, warum Dabeisein in diesem Winter für mich nicht alles ist: weil im Grunde von vornherein klar war, dass es in dem Zeithorizont schwierig werden wird.

Die Trainer haben die richtige Entscheidung getroffen, bei Olympia auf einen lucky Punch zu hoffen – und mehr wäre es nicht gewesen, wenn ich nominiert worden wäre – das freut mich selber nicht. Mich freut was anderes: Mich freut, dass ich, sobald die Grippe auskuriert ist, einen ganzen Monate Quality-Time mitten im Winter habe, die man normalerweise im normalen Renn- und Trainingsrhythmus nicht hat. Die Saison fängt jetzt – ohne ständig die Olympia-Quali zu allen anderen Dingen auch noch im Hinterkopf zu haben, nochmal neu an! Mein Team steht parat, wir können jetzt auf Top-Bedingungen Training und Testen so verbinden, wie am allermeisten weitergeht – ich bin überzeugt, dass wir in den kommenden Wochen, sozusagen im Off Olympias, einen riesengroßen Sprung machen werden. Jetzt wird die Basis für den Rest der Saison

und für den kommenden WM-Winter gelegt.

Meine Liebe zum Skifahren und zum Rennfahren ist größer denn je, das habe ich – trotz Grippe und meines Abschneidens –

sogar in Lenzerheide ganz stark gespürt. Mein Comeback in diesem Winter ist geglückt, weil mir nichts mehr wehtut –

und das Skifahren habe ich nicht verlernt. Ich brauch also nur g´sund werden, aber nicht mehr fit.

 

Und das, was auf der Piste noch fehlt, das hole ich jetzt auf, während ich für unser Team

in Pyeongchang ganz fest die Daumen drücke.

Alles Liebe & bleibt dran,

Eure Eva