3. Oktober 2020

KEINE SAISON IST WIE DIE ANDERE…

ALS ICH BEGINNE DIESEN BLOG ZU SCHREIBEN, FÄLLT MIR AUF, DASS ES NOCH GENAU 2 WOCHEN BIS ZUM SAISONAUFTAKT IN SÖLDEN SIND UND MEIN SONST SO LEICHT VON DER HAND GEHENDER SCHREIBFLUSS GERÄT EIN WENIG INS STOCKEN. MIR WIRD KLAR, DASS 2 WOCHEN EINE ZEITSPANNE IST, DIE FÜR ALLE MENSCHEN AUF DER WELT IN DEN LETZTEN MONATEN EINE BESONDERE BEDEUTUNG BEKOMMEN HAT.

Wo soll ich also anfangen um euch aufs Laufende zu bringen? Ich bleib einfach mal beim Thema. Als die Saison im Frühling abrupt beendet wurde, war Alles irgendwie unwirklich. Die Corona Situation mit ihren vielen Herausforderungen auf der einen Seite und das Bewusstsein sich 24h zuvor noch auf ein Rennen vorbereitet zu haben, was fast das Wichtigste war und einem selbst im Nachhinein als völlig sinnlos erschien. Skitraining, Konditionstraining, die Überlegung welche Skier mit an den Rennstart kommen, außerdem war mein Rennrucksack schon gepackt und bereit als die Absage in Åre kam und wir Alle nur noch eines wollten und das war nachhause kommen. Als Sportlerin ist man immer so gut es geht fokussiert. Ich hatte Tage vorher mit der Absage des restlichen Weltcup-Winters gerechnet, mich dann aber darauf eingestellt, dass wir (wahrscheinlich) die einzige Sportart sein werden, die normal weitermacht, weil die Rennen immer näher kamen und am Abend vor dem ersten Wettkampf in Schweden habe ich nicht mehr damit gerechnet, dass es noch ein „STOPP“ geben wird. Es gibt wichtigere Dinge im Leben als rote und blaue Tore zwischen Start und Ziel und das ist gut so.

Den Frühling und Sommer zuhause konnte ich genießen, weil ich zu denjenigen glücklichen Menschen gehöre, die gesund durch diese Zeit gekommen sind und es den Menschen in meinem Umfeld erfreulicher Weise auch Allen gut geht. Natürlich hat Corona auch Auswirkungen auf die Sportwelt. Wie groß, schwer und einschneidend diese meinen Sport betreffen werden, wird die Zeit zeigen. Ich stehe der ganzen Situation trotzdem positiv gegenüber. Schließlich haben wir bis jetzt nur ein paar Rennen am Ende der letzten Saison „verloren“, keine ganze Saison oder Großteile einer Saison, wie es viele unserer Sommersportkollegen erlebt haben. Was mir im Übrigen außerordentlich leid tut, weil die Mühen der Vorbereitungszeit eigentlich nur mit Wettkämpfen belohnt werden können. Außerdem hatten die FIS, Verbände und Veranstalter über den Sommer hinweg genügend Zeit, um sich Gedanken zu machen, Szenarien durchzuspielen und sich für Situation A, B, C oder D zu wappnen. Ob sie ausreichend vorbereitet sind werden wir sehen, wenn die Situation auf der Welt es moralisch vertretbar zulässt, dass ein paar Wahnsinnige zwischen den Toren versuchen ein paar Hundertstelsekunden schneller zu sein, als der jeweils andere.

Gerne möchte ich hier auch thematisieren, dass ich als Sportlerin nicht mit Scheuklappen durch die Welt gehe und mir schon klar ist, dass für Viele, die von der Corona-Krise gesundheitlich, emotional oder finanziell schwer getroffen wurden, Spitzensport nicht ganz oben auf ihrer Liste mit den wichtigsten Dingen steht.

Wenn es die Rahmenbedingungen zulassen, möchte ich meinen Beruf aber natürlich ausleben, wobei Spitzensport emotional gesehen immer mehr als nur ein Beruf ist. Jeden Tag Vollgas, jeden Tag Alles geben und einen auf ein ganzes Berufsleben gerechneten ziemlich kurzen Zeitraum, den man dafür zur Verfügung hat.

Meine Vorbereitung ist gut verlaufen. Ich habe Alles gegeben und die ansonsten ruhige Zeit mal richtig genießen können: keine öffentlichen Termine und für Meetings reichte ein Skype oder Zoom Call. Die Dinge einfach und unkompliziert halten, bis auf den Umstand, dass auch ich immer wieder auf halben Weg ins Geschäft zurück zum Auto muss, weil ich meine Maske vergessen habe. Ich habe das Beste aus meinem Sommer gemacht- Die Welt ist ohnehin schon kompliziert genug.

 

Beste Grüße,

Eure Eva-Maria

Montag, 17.02.2020

AUS GEGEBENEN ANLASS

IHR LIEBEN, DIESER BLOGEINTRAG IST FÜR EUCH, FÜR DIE WAHREN SPORT LIEBHABER, DIEJENIGEN DIE LEISTUNGSSPORT IN ALL SEINEN FACETTEN WAHRNEHMEN UND DIE SICH AUCH EINMAL GERNE DIE MÜHE MACHEN DIFFERENZIERT ÜBER SO MANCHE DINGE NACHZUDENKEN.

Als Profisportlerin kenne ich nur eine Bemessungsgrundlage: Ich werde bewertet anhand meiner Leistung bei einem Rennen. Diesen Umstand empfinde ich keineswegs als schwierig, ganz im Gegenteil- es sogar einfach und es ist tief in mir verwurzelt. Meine Jobbeschreibung ist simpel, es geht darum bei einem Wettkampf meine maximale Leistung zu zeigen. Gelingt mir das, bin ich happy. Gelingt es mir nicht, gibt es wohl niemanden auf dieser Welt, den das mehr wurmt und beschäftigt als mich selbst.

Was für mich aber schwierig ist, ist vor einem Rennen nach den Erwartungen und nach der Form im Training gefragt zu werden. Natürlich kann ich das Interesse auf eine Antwort darauf nachvollziehen. In meiner Mentalität ist ein guter Wettkampf zum größten Teil auch immer nur die logische Folge von gutem Training und guter Vorbereitung. Alles andere würde ich als Glück oder Pech beschreiben. Glück und Pech sind keine verlässlichen Arbeitskollegen und auf die gilt es im besten Fall zu verzichten. Trotzdem empfinde ich es oft als müßig vor einem Rennen im eigenen Kaffeesatz lesen zu sollen, was denn wohl möglich sein wird an diesem Tag. Der Job ist nämlich erst beim Rennstart zu erledigen und dabei findet sich meiner Meinung nach auch die einzig wahre Antwort auf die Fragen vorher.

 

Dasselbe gilt für die Situation, bei der ich mit meiner Performance nach einem Wettkampf mit mir selbst nicht zufrieden bin. Warum ich nach mäßigen Rennen oft wortlos aus dem Zielraum verschwinde? Das hat nichts damit zu tun, dass ich eine schlechte Verliererin bin, sondern eher damit, dass ich auf mich selbst angefressen bin, weil ich es nicht geschafft habe gutes Skifahren gepaart mit einem guten Ergebnis zu zeigen. Auch will ich erst einmal für mich selbst verstehen, warum ich nicht so schnell war, wie ich es gerne gewesen wäre. Müsste ich in dieser Situation also ein Interview geben, hätte es wohl nicht den Mehrwert, den sich ein wahrer Skisportinteressierter erwartet. Ich könnte schon erzählen, dass es mich ärgert und vielleicht auch erste Vermutungen anstellen warum es nicht wie gewünscht geklappt hat. Aber das interessiert verständlicherweise auch nur die Wenigsten. Die Möglichkeit für eine objektive Analyse und eine wahrhafte Einschätzung sehe ich in so einer 30 sekündigen Interviewsituation auch nicht gegeben. Das liegt sicher ein wenig an der Situation selbst, aber auch daran, dass ich als Athlet selbst in diesem Moment noch gar nicht über alle Informationen verfüge, die es zur Einschätzung braucht und natürlich auch an dem Umstand, dass da jede Menge Emotionen im Spiel sind. Mein grundsätzlicher Weg die Dinge anzugehen, bleibt auch beim Rennfahren derselbe: Zuerst muss ich mir selbst mal im Klaren über die Situation werden und dann habe ich Menschen um mich mit denen ich an einer Lösung arbeite. Da gibt’s kein lautes Gebrüll, kein nachaußen tragen, kein Drama, sondern 100% Arbeit und Konzentration auf das Wesentliche.

 

Warum ich diesen Blog schreibe? Weil mich zu diesen Punkten einige Nachrichten erreicht haben und weil ich es daraufhin jenen, die es wirklich interessiert, auch gerne einmal aus meiner Sicht erklären wollte.

 

Wie immer in meinem Sport ist die Lösung, dieser unfeinen Situation, einfach und lautet: SCHNELL SKIFAHREN. In diesem Sinne tut es mir sehr leid, dass ich euch manchmal, ob von mir selbst oder den Umständen ausgehend, zu wenig in meine Welt gelassen habe. Ich schätze wirklich jeden, der mitzittert, -fiebert und sich auch mal mitärgert. Vielen lieben Dank dafür!

Eure Eva-Maria

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